Endlich Urlaub. Der Laptop ist zu, die Koffer sind gepackt und eigentlich könnte die Erholung beginnen. Doch im Kopf läuft die To-do-Liste einfach weiter.

Was wollen wir unternehmen? Haben wir alles gesehen? Sind alle zufrieden? Und kaum sitzt du am Strand oder auf dem Balkon, merkst du: So richtig runterfahren kannst du trotzdem nicht.

Warum ist das so?

In dieser Folge von Geschichten aus dem Frauenzimmer sprechen Annika Fischer, systemisch hundegestützter Coach für Stressregulation & achtsame Selbstführung mit WAU-Effekt, und Nicole Hoock, Emotionscoach und Seelenmentorin, darüber, warum Abschalten nicht einfach auf Knopfdruck funktioniert und weshalb ein Ortswechsel allein noch keine Erholung bedeutet.

Warum Abschalten so schwerfallen kann

Gerade vor dem Urlaub passiert häufig das Gegenteil von Entschleunigung. Auf der Arbeit soll noch möglichst viel erledigt oder übergeben werden, zu Hause warten Koffer, Wäsche und Reisevorbereitungen.

Dann beginnt der Urlaub, aber unser innerer Zustand reist einfach mit.

Nicole kennt das aus eigener Erfahrung. Sie erzählt in der Folge, wie sie früher vor dem Urlaub noch schnell alles erledigte und selbst auf dem Liegestuhl gedanklich bereits die nächsten To-dos abarbeitete.

Dahinter kann mehr stecken als eine volle Aufgabenliste. Annika und Nicole sprechen unter anderem über den inneren Druck, etwas leisten zu müssen, über das schlechte Gewissen, nicht genug zu tun, die Angst, Zeit zu verschwenden, und den Wunsch, alles unter Kontrolle zu behalten.

Ein Glaubenssatz spielt dabei eine besondere Rolle: Leistung bestimmt meinen Wert.

Wenn dieses Muster tief sitzt, wird selbst Erholung schnell zur nächsten Aufgabe, die wir möglichst gut erledigen möchten.

Wenn selbst der Urlaub zur To-do-Liste wird

Auch im Urlaub selbst geht das Organisieren häufig weiter.

Ausflüge werden geplant, alle sollen auf ihre Kosten kommen und natürlich möchte man am Urlaubsort möglichst nichts verpassen. Aus der ersehnten Auszeit kann so schnell der nächste kleine „Hustle-Modus“ werden.

Hinzu kommt: Menschen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was Erholung überhaupt bedeutet.

Während die eine Person am liebsten mit einem Buch am Strand liegt, möchte die andere möglichst viel sehen und erleben. Annika erzählt im Gespräch, wie unterschiedlich beispielsweise ihr eigenes Bedürfnis nach Bewegung und das Ruhebedürfnis ihres Mannes sind.

Entspannung beginnt deshalb auch damit, die eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen – und miteinander darüber zu sprechen.

Was brauche ich, damit sich dieser Urlaub erholsam anfühlt?

Vielleicht gehört dazu auch, nicht jeden Ausflug gemeinsam zu machen. Einen Tag für sich zu verbringen. Oder sich bewusst dafür zu entscheiden, heute einmal gar nichts vorzuhaben.

Was dein Hund, deine Familie oder dein Umfeld dir spiegeln können

Dass unser innerer Zustand Auswirkungen auf unser Umfeld hat, zeigt Annika anhand einer ganz alltäglichen Sommersituation mit Hund.

Wenn es heiß ist, beginnt der Tag vielleicht schon früher als sonst. Schließlich soll der Hund ausreichend Bewegung bekommen, bevor die Temperaturen steigen. Schnell entstehen Gedanken wie: War die Runde lang genug? Braucht er noch mehr Beschäftigung? Mache ich genug für meinen Hund?

Aus Fürsorge können Druck, schlechtes Gewissen und das Gefühl entstehen, ständig noch etwas tun zu müssen.

Annika erlebt außerdem, dass ihr Hund unruhiger wird, wenn sie selbst angespannt ist. Er möchte häufiger rein und raus, fordert Aufmerksamkeit – und unterbricht damit wiederum ihre Arbeit. Die eigene Anspannung steigt weiter.

Doch dieses Prinzip betrifft nicht nur Menschen mit Hund.

Auch Partner, Kinder oder Kolleginnen und Kollegen reagieren auf unsere Stimmung und unseren inneren Zustand. Annika bezeichnet sie im Gespräch als eine Art „liebevolle Spiegel“.

Manchmal ist also gar nicht die Situation selbst das eigentliche Problem. Spannend wird die Frage: Was passiert gerade in mir – und wie reagiere ich darauf?

Dein Nervensystem kennt keinen Urlaubskalender

Ein wichtiger Aspekt der Folge ist die Verbindung zwischen Emotionen und Körper.

Anspannung kann sich beispielsweise in hochgezogenen Schultern, einem festen Kiefer oder einer flacheren Atmung zeigen. Auch Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Gereiztheit können auftreten.

Nicole verbindet in ihrer Arbeit Emotionscoaching, mentale Klarheit und die Arbeit mit dem Nervensystem. Denn nur weil im Kalender „Urlaub“ steht, weiß unser Körper noch lange nicht automatisch, dass er jetzt entspannen darf.

Oder wie Nicole es in der Folge beschreibt: Das Nervensystem prüft nicht den Kalender oder den Urlaubsort. Entscheidend ist die Frage: Bin ich hier gerade sicher?

Genau deshalb kann es helfen, nicht erst auf den nächsten Urlaub als große Erholungspause zu warten, sondern dem Körper auch im Alltag immer wieder kleine Signale von Ruhe und Sicherheit zu geben.

Kleine Pausen statt perfekter Selbstfürsorge

Dafür braucht es keine 90-minütige Morgenroutine mit Yoga, Meditation, Journaling und anschließendem Lesen.

Denn auch Selbstfürsorge kann schnell zur nächsten Leistungsaufgabe werden.

Annika und Nicole plädieren deshalb für kleine Momente, die wirklich zum eigenen Leben passen. Bei Annika gehören beispielsweise Kaffee und Keks am Morgen dazu. Für jemand anderen können es einige bewusste Atemzüge, ein Spaziergang oder ein kurzer Moment ohne Ablenkung sein.

Entscheidend ist weniger, was du machst, sondern ob es dir hilft, wieder bei dir anzukommen.

In der Podcast-Folge nehmen Annika und Nicole dich deshalb direkt mit in eine kurze Übung. Du richtest deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem, spürst bewusst in deinen Körper hinein und nimmst deine Umgebung wahr.

Nicht mit dem Anspruch, ein Gefühl sofort verändern zu müssen.

Erst einmal geht es darum, wahrzunehmen: Was ist gerade da?

5 Impulse, wenn du nicht abschalten kannst

  1. Nimm wahr, statt sofort etwas verändern zu wollen.
    Wie fühlst du dich gerade – und wo spürst du das in deinem Körper?
  2. Hinterfrage deinen inneren Leistungsdruck.
    Musst du gerade wirklich noch etwas erledigen oder meldet sich ein altes „Ich muss noch …“?
  3. Frage dich, was Erholung für dich bedeutet.
    Deine Bedürfnisse müssen nicht dieselben sein wie die deines Partners oder deiner Familie.
  4. Beobachte deine „liebevollen Spiegel“.
    Was zeigen dir Hund, Familie oder dein Umfeld möglicherweise über deinen eigenen inneren Zustand?
  5. Schaffe kleine Ruheinseln im Alltag.
    Du musst nicht auf den nächsten Urlaub warten, um deinem Körper einen Moment zum Runterfahren zu geben.

Fazit: Du musst nicht erst in den Urlaub fahren, um runterzukommen

Abschalten beginnt nicht automatisch mit dem ersten Urlaubstag. Denn wir nehmen unsere Gedanken, Erwartungen, Gefühle und unseren inneren Zustand mit – egal, wohin wir fahren.

Umso wertvoller ist es, schon im Alltag wahrzunehmen, wann der Druck steigt. Zu erkennen, was du gerade brauchst. Und dir kleine Momente zu erlauben, in denen es einmal nicht ums Funktionieren oder Leisten geht.

Vielleicht beginnt Erholung deshalb viel früher als gedacht – mit einem bewussten Atemzug und der Frage:

Was brauche ich gerade wirklich?

🎧 Hör in die Podcast-Folge rein und entdecke, wie du deinem Körper auch mitten im Alltag kleine Momente zum Runterfahren schenken kannst.

Links zur Folge

Zu Annikas Quiz: 🐾 Was würde dein Hund über dich sagen, wenn er sprechen könnte?

Nicht über dein Training, Nicht darüber, ob du „alles richtig“ machst, sondern über dich.

  • Wie du mit Stress umgehst.
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Annika im Netz:
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👉 Website: www.annikafischer-coaching.de
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Zum Gefühlskompass von Nicole:

Dein Kopf hört nicht auf. Dein Körper ist angespannt. Du trägst viel und bleibst dabei oft selbst auf der Strecke.
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Signal. Der Gefühlskompass ist dein erster Schritt zurück zu dir — klar, machbar, kostenlos.
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Nicole im Netz:
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